Theologie-Systematisch
Spiritualität
Gier

Zerstörtes Glück

Sie standen am Spielplatz, als der Schüler den Meister fragte:
"Wie kommt es, dass alle Menschen glücklich sein wollen und es dochnicht werden?"
Der Meister wies auf die spielenden Kinder."Sie sind glücklich!"
- "Wie ist es aber um das Glück der Erwachsenen bestellt?" fragte derSchüler.
Der Meister holte aus dem weiten Ärmel seines Gewandes eine Handvoll
Münzen hervor und warf sie unter die spielenden Kinder.
Da verstummte mit einem Mal das fröhliche Lachen, und die Kinder
stürzten sich auf die Münzen.

Jedes von ihnen wollte möglichst viele für sich gewinnen.
Sie lagen auf der Erde und rauften sich. Statt Lachen erschallte nun ein
Geschrei und Gezeter.Das Triumphgeheul der glücklichen Eroberer
mischte sich mit Wutgeheulder Unterlegenen.

"Und nun", fragte der Meister, "was hat ihr Glück zerstört?"
"Der Streit", erwiderte der Schüler.
"Und wer hat den Streit erzeugt?"- "Die Gier!" -
"Nun hast du die Antwort auf deine Frage.
Alle Menschen erfüllt die Sehnsucht nach dem Glück, aber die Gier in
ihnen, es zu erjagen,bringt sie gerade um das, was sie sich sehnlichst wünschen!"

    (Aus einer chinesischen Legende)


THE ECUMENICAL REVIEW 63 (2011) (251-262: Sung, Jung M.: Greed, desire and theology/263-277: Lar-
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