"Die Schöpfungserzählungen
im Buch Genesis stimmen darin überein, dass Schöp-
fung als Ordnung vorgestellt wird. Bei allen einzelnen
Schöpfungstaten Gottes geht
es weniger um die materielle Herstellung der Geschöpfe
als um einen Vorgang der
Scheidung und Unterscheidung, der Einteilung und
Anordnung. Das heißt: Schöp-
fung ist primär ein Herstellen von Ordnung.
Daher wird unterschieden zwischen
Himmel und Erde, zwischen Licht und Finsternis.
Die Ordnung der Ungeordneten
und Ungeschiedenen ist also der Hauptgesichtspunkt,
unter dem die Schöpfung er-
zählt wird. Denn das Alte Testament kennt die 'Erschaffung
aus dem Nichts' noch
nicht. Erst später, in frühjüdischer Zeit (seit 2 Makk 7,28)
ist der Gedanke belegt,
dass Gott die Welt aus dem Nichtseienden, aus Nichts erschaffen habe.
Dass die-
ser Gedanke vorher nicht zu finden ist, bedeutet für das Alte Tetstament:
Erschaf-
fen ist vor allem Ordnen. Und auch die 'Neue Schöpfung', von der schon
die späte-
ren Jesaja-Kapitel sprechen, ist vor allem eine Neuordnung
der bestehenden Welt."
(K. Berger, Jesus, München 2004, 285f)
"Die Bibel begreift Schöpfung
als einen fortwährenden, erst mit der Besiegung des
Todes im zweiten Adam
abgeschlossenen Schöpfungsvorgang. Erschaffen bedeutet,
dass Gott die lebensbedrohenden
Mächte am Ende eindämmt. Er hat sie nicht aus
dem Nichts herbeigerufen,
aber er wird sie vernichten. Denn Schöpfung ist ein ganz
und gar zielgerichteter
Vorgang."