Theologie-Systematisch
Gotteslehre
§ 13. Allwissen/Vorauswissen Gottes
Texte

„Die Rede vom ‚Wissen Gottes‘ bedeutet also, daß nichts ihm entgeht in seiner ganzen Schöp-
fung. Alles ist ihm gegenwärtig und wird von ihm in seiner Gegenwart festgehalten. Solches Gegenwärtighalten ist nicht notwendigerweise ein Wissen im Sinne unseres menschlichen Be-
wußtseins und Wissens. Wohl aber läßt sich umgekehrt sagen, daß auch wir uns durch unser
Wissen das Gewußte gegenwärtig sein lassen. Dabei werden sofort die engen Schranken deut-
lich, die solchem Gegenwärtighalten beim Menschen gesetzt sind. Es ist weitgehend gebunden
an Gedächtnis und Erwartung, also eher ein Ersatz für die wirkliche Gegenwart des Gewußten
bei uns. Aber auch das der Wahrnehmung Gegenwärtige bleibt uns in seinem Wesen mehr oder
weniger verborgen. Unsere Erfahrung von Bewußtsein und Wissen vermag also nur eine schwa-
che Andeutung davon zu geben, was gemeint ist, wenn vom ‚Wissen Gottes‘ gesprochen wird.“


(W. Pannenberg, Systematische Theologie I, Göttingen 1988, 411)