Theologie-Systematisch
Ekklesiologie
§ 3. Neutestamentliche Kirchen
Texte-Paulus

"Die Geschichte zeigt uns, daß man normalerweise durch die Kirche zu Jesus kommt! In gewissem Sinne
bewahrheitete sich das... auch bei Paulus, der vor der Begegnung mit Jesus zuerst der Kirche begegnete. Diese Begegnung war in seinem Fall jedoch kontraproduktiv; sie bewirkte keine Zustimmung, sondern heftige Ablehnung. Die Zustimmung zur Kirche wurde im Fall des Paulus von einem direkten Eingrei-
fen Christi bestimmt, der sich, als er sich ihm auf dem Weg nach Damaskus offenbarte, mit der Kirche identifizierte und ihm zu verstehen gab, daß die Kirche zu verfolgen bedeute, ihn, den Herrn, zu verfol-
gen... Indem er die Kirche verfolgte, verfolgte er Christus. Paulus bekehrte sich also gleichzeitig zu Chris-
tus und zur Kirche. Von daher versteht man, warum die Kirche später in den Gedanken, im Herzen und
im Wirken des Paulus so gegenwärtig war."

(P. Benedikt XVI., Der hl. Paulus und die Wirklichkeit der Kirche. Generalau-
dienz auf dem Petersplatz am 22.11.06, in: L'Osservatore Romano 48 (2006) 2)

"In diesem Augenblick (der Bekehrung) hat er (Paulus) nichts von alldem verloren, was es an Gutem
und Wahrem in seinem Leben, in seinem Erbe gegeben hat, sondern er hat auf neue Weise die Weis-
heit, die Wahrheit, die Tiefe des Gesetzes und der Propheten verstanden und hat sich diese auf neue
Weise wieder angeeignet. Gleichzeitig hat sich seine Vernunft der Weisheit der Heiden geöffnet; da
er sich mit ganzem Herzen Christus geöffnet hatte, ist er zu einem umfassenden Dialog mit allen
fähig geworden, fähig, allen alles zu werden. So konnte er wirklich derAposte der Heiden sein."

(P. Benedikt XVI., Das Damaskuserlebnis des heiligen Paulus. Generalaudienz in
der Vatikanischen Audienzhalle am 03.09.08, in: L'Osservatore Romano 37/2008, 2)