Selbstgestellte Aufgabe dieser von der Katholisch-Theologischen
Fakultät der Ruhr-Universität Bochum als Doktor-
Dissertation angenommenen Arbeit ist es
"den Hintergründen
des Arzttitels für Christus nach(zu)gehen und auch die
Akzentsetzungen der einzelnen Väter in ihrer Verwendung medizinaler
Terminologie stärker heraus(zu)arbeiten" (4).
Hierbei werden u.a. folgende Ergebnisse erarbeitet: Im Alten Testament
wird JHWH eine Monopolstellung als Heiler
zugeschrieben. Nur wer in seinem Auftrag heilt, ist ein rechtmäßiger
Heiler (21). Bereits von Homer und Hesiod wer-
den Krankheiten als eine göttliche Strafe verstanden (38). Krankheit
und Gesundheit werden von Solon, Theognis und
Plato als Metapher für den Zustand des Gemeinwesens und für
den moralischen Zustand des einzelnen Menschen ge-
deutet (47). Krankheiten beim Menschen sind für Plato Deformationen
bzw. Übel, die es zu beseitigen gilt, damit der
Mensch sich wieder dem Urbild annähert (48). Für Philo ist Gott
der Ursprung aller menschlichen Gesundheit des Kör-
pers und vor allem der Seele. Er schickt Krankheit als Strafe und führt
auch zur Gesundheit zurück (53). Festzuhalten
bleibt, dass die antiken Philosophen insgesamt die Medizin schätzen
und immer wieder medizinische Vergleiche zur Veranschaulichung ihrer Lehren
anführen. Von Plato und Aristoteles bis hin zu den jüngeren Stoikern
parallelisieren
alle die seelische Krankheit bzw. Gesundheit mit der körperlichen
Krankheit bzw. Gesundheit. Philosophie und Medi-
zin bleiben deshalb in der Antike eng miteinander verbunden (56).
Die heute durchaus bezweifelte Echtheit der Briefe und ihre Datierung
um 117 vorausgesetzt, haben wir mit den Ig-
natianischen Briefen erstmalig ein direktes Zeugnis für die Benennung
Christi als Arzt (80). Theophil von Antiochi-
en bezeichnet Gott als Arzt, der heilt und Leben schenkt durch den Logos
und die Weisheit (93). Irenäus von Lyon
entnimmt der philosophischen Tradition, Unwissenheit als Krankheit anzusehen
(97). Für Klemens von Alexandri-
en sind ganzheitliches biblisches Heilungsverständnis, paulinisches
Verständnis von der Sünde als einer Schwäche
und das platonisch-stoische Verständnis von den Leidenschaften, die
die Seele und auch den Leib krank machen, das
Fundament, auf dem er von Gott und Christus als Arzt spricht (120f). Origenes
betont, dass die christliche Lehre die
Seele der Sünder heilen und die Seele der sittlich korrekt Lebenden
zur weiteren Erkenntnis führen will (126). Für
Origenes ist klar, dass der Titel
"Arzt" erst aufgrund des Sündenfalls
des Menschen - also aus rein soteriologischen
Gründen - dem Sohn Gottes zuteil wurde und die Menschen ihn nur in
einer bestimmten
"Lebens- und Glaubenspha-
se" als Arzt brauchen, bei Erreichen einer höheren Stufe aber
nicht mehr (142). Bereits Clemens hatte eine Art Stu-
fensystem entwickelt, indem er den Logos Jesus Christus erst als Arzt,
dann als Erzieher und als Lehrer beschrieb
(144). Auch für Origenes gibt es diese Stufen: Auf der untersten
Stufe braucht der Mensch Christus als Arzt. Die
Heilung durch den Arzt ist Voraussetzung dafür, dass der Erzieher
zu den höheren Lehren führen kann. Ziel ist es,
Christus nur noch als 'Licht' und 'Weisheit' zu schauen. Das Ziel ist
erreicht, wenn der Mensch vollkommen Eben-
bild Gottes ist, wozu er von Anfang an die Anlage besaß (159).
Nach Tertullian gewährt Gott wie ein Arzt Heilmittel zur Gesundung des Menschen.
Dazu gehören die Sakramente
und die Gebote Gottes (169). Cyprian ist der Auffassung, dass
an einer körperlichen Krankheit die Gerechtigkeit
des Menschen geprüft wird. Im Verhalten gegenüber Kranken
zeigt sich, inwieweit die Menschen den Geboten Chri-
sti nachkommen, z.B. Kranke zu pflegen und ärztlich zu versorgen
trotz der Ansteckungsgefahr (172). Eusebios von
Caesarea stellt Jesus direkt dem antiken Heilgott Asklepios gegenüber
und versucht auch dadurch, die tiefere Wahr-
heit des christlichen Glaubens darzulegen (181). Zusammenfassend stellt
der Autor fest:
"Der Gebrauch des Titels
'Arzt' für Gott bzw. den Logos/Christus ist bei den christlichen
Schriftstellern Ignatius, Diognet, Theophil, Irenäus,
Tertullian, Clemens, Origenes nicht begründet in der Auseinandersetzung
mit dem Asklepioskult, da sie die 'Arzt-'-
Benennung nie in diesem Zusammenhang direkt anführen. Der Titel
'Arzt' und damit der Gedanke der Heilung
wird zunächst angewendet im Kontext innerkirchlicher Kontroversen,
dann auch, um das Wirken Gottes in Jesus
Christus zum Heil der Menschen deutlich zu machen" (286f).
Herbert Frohnhofen, 3. April 2005